15.05.2011

Um 13 Uhr wurde in Bad Laasphe ein Bonemilchgässchen eingeweiht. Der Posaunenchor hat u.a. die Bonemilch-Festmusik von Stefan Heidrich, die zum 500. Todestag Bonemilchs in 2010 in Auftrag gegeben worden war, zu Gehör gebracht. In ihr hat der Komponist das Luther-Lied "Ein feste Burg" in die Bass-Stimme eingeflochten, um an Bonemilchs Nähe zu Martin Luther zu erinnern.

Zeitungsartikel der Ankündigung [hier] · Bericht [hier] · Bericht [hier]


Bei der Enthüllung (Foto: Volkmar Klein) und...


...danach

Bad Laasphe · 15. Mai 2011, Foto: Siegbert Guhling

30.12.2010

Zeitungsartikel zum 500. Todestag Bonemilchs in der Siegener Zeitung [hier]

17.10.2010

Heute, an Bonemilchs 500. Todestag, haben wir mit Bläsern des Posaunenchors Bad Laasphe auf dem Kirchplatz einige Choräle gespielt, um seiner zu gedenken.


Foto: Volker Kirchhoff

Im Hintergrund kann man eine Tafel an dem Haus erkennen (s.u.), das dort steht, wo man den Standort von Bonemilchs Geburtshaus vermutet.

03.10.2010

Heute, am 20. Jahrestag der Deutschen Einheit, erklang in Bad Laasphe zum ersten Mal die Bonemilch-Festmusik, die der Posaunenchor Bad Laasphe bei Stefan Heidrich in Auftrag gegeben hat. Anlass für die Komposition ist der bevorstehende 500. Todestag von Johannes Bonemilch am 17. Oktober. Die Festmusik wurde im Gottesdienst in Bad Laasphe vorgetragen, in dem gleichzeitig der 30-jährigen Partnerschaft mit Tamworth/England erneuert wurde.

In Bonemilchs Wirkungsstätte wurde aus Anlass des Jahrestages der Deutschen Einheit die Gloriosa außerplanmäßig geläutet. Johannes Bonemilch hatte den Guss dieser bis heute größten, frei schwebenden mittelalterlichen Glocke in Auftrag gegeben.

Bonemilch (auch Bonmilch, Bonnmelch) von Laasphe, Dr. Johannes, Pfarrer, Universitätsprofessor, Weihbischof im Erzbistum Mainz mit Sitz in Erfurt, *etwa 1434 in Laasphe, † 17. Oktober 1510 in Erfurt.

Johannes Bonemilch wird in dem Lahnstädtchen Laasphe geboren, das im 15. Jhdt. die Hauptstadt der Grafschaft Wittgenstein unter den Grafen Sayn zu Wittgenstein ist. Kirchlich gehört Laasphe zum Erzbistum Mainz, ebenso wie das später im Leben B.s so wichtige Erfurt. Von den frühen Jahren ist lediglich bekannt, dass B. in den Jahren 1454 bis 1464 Pfarrer im nahe seiner Heimat gelegenen Eckelshausen bei Biedenkopf ist. Noch während seiner Zeit als Pfarrer lässt er sich zu Michaelis 1462 in Erfurt als „Johannes Bonnmelch de Lasphe dt. tm.“ immatrikulieren zusammen mit „Hinricus Bonecker de Breidenstein 15 antq.“, während zwei Jahre vorher sein Verwandter Eckhardus Hülscher von Laasphe, später Spitalmeister in Biedenkopf, Student in Erfurt geworden war. Ab 1464 legt er sein Pfarramt nieder, um sich ganz dem Studium zu widmen.

Mit Namen Bonemilch schreiben sich später noch ein: „Sifridus Bonmilch de Bidenkap 4 vov.“ (1471 Ostern); „Jacobus Bonemilch de Lasphe 4 nov.“ (1473 Michaelis), „Jacobus Bonemilch de Lasphe tm.“ (1494 Ostern), „Georius Bonemilch des Lasphe“ (1501 Ostern).

Erfurt ist für B. als Angehörigem des Mainzer Erzstiftes die erste Wahl und er ist automatisch Mitglied eines Kollegiums, welches sich üblicherweise sowohl durch gemeinsames Leben als auch durch eine strenge Lebens- und Studienordnung auszeichnet. Das Kollegium (auch Burse genannt) umfasst Hörsäle und Wohnräume. 1467 besteht B. das erste Examen (baccalaureus artium), 1469 erlangt B. mit dem zweiten Examen den Grad eines Magister artium. Er hält nun Vorlesungen und Disputationen ab, tritt aber gleichzeitig als Schüler wieder in eine der drei höheren Fakultäten ein, die theologische. Auch hier erreicht er in wenigen Jahren Bakkalaureat und 1487 Doktorat, 1485 wird B. als „licenciatus sacrae paginae“ und 1488 als „artium et philosophiae et sacrum artium doctor“ bezeichnet. Mehr Würden können deutsche Universitäten in seinem Fach nicht verleihen. Inzwischen angesehener Theologieprofessor ist B. ab 1485 mehrfach Dekan der theologischen Fakultät und dreimal Rektor der Universität Erfurt. Über seine wissenschaftliche Tätigkeit finden sich leider heute keine Zeugnisse mehr.

1496 ist B. in der Liste der Kollegiaten zu finden, d.h. er ist einer der acht Magister, die vom städtischen Rat mit der Leitung der Kollegien betraut ist. Als Kollegiat hat er lebenslang freie Wohnung, ein Stipendium von 15 Gulden und weitere Vergünstigungen. Es endet nur, wenn ein Kollegiat in die Stiftspräbende von St. Marien oder St. Severi aufrückt. Die Berufung zum Kollegiaten wird er zwischen 1479 und 1482 erhalten haben. Als er 1503 zum dritten Mal in das Rektorenamt berufen wird, heißt er „reverenduspater et dominus, Dei et apostolici sadis gratia episcopus Sydoniensis reverendissimi in Christo patriset domini nostri Bertholdi eadam gratia Moguetire acerbi presulis in pontificalibus vicarius“ (etwa: Hochwürdiger Vater und Herr, durch Gottes und des apostolischen Stuhles Gnade Bischof von Sidon, des Hochwürdigsten in Christus Vater und Herrn, unseres Herrn Berthold, durch dieselbe Gnade eifriger Mainzer Erzbischof, Stellvertreter). Parallel zu B.s Gelehrtenlaufbahn durchläuft er eine ebenso atemberaubende als Priester. Die St. Michaeliskirche war gestiftet und aufgrund ihrer Besetzung sozusagen Universitätskirche. Ihre Geistlichen waren Lehrer der Anstalt, vom Titel her nicht Pfarrer sondern „Plebani“. B. wird 1484 zum plebanus der Michaeliskirche ernannt und erhält damit auch seelsorgerlichen Einfluss auf seine Studenten. Da die Einkünfte dieser Stelle eher gering sind, gibt man B. entsprechend seines wachsenden Ansehens Gelegenheit, sein Einkommen durch Annahme anderer geistiger Stellen zu erhöhen. Er tritt in das Domkapitel des Stiftes von St. Marien, einem der reichsten geistlichen Stifte Thüringens, als Domherr ein und übernimmt das besondere Amt eines „magister fabricae“. Er hat damit die Aufsicht über die kirchlichen Bauten des Stifts und diese Arbeit scheint ihm Freude zu machen, denn er lässt viel bauen. Unter seiner Ägide werden die schlanken Turmspitzen des Domes aufgesetzt, die große Glocke im Dom – „Gloriosa“ – bis heute weltweit die größte frei schwingende mittelalterliche Glocke, wird von ihm in Auftrag gegeben und geweiht. „Der selbige buwemeister zu vnser lieben frowen, der dits wergk had uß gericht, genant doctor lasfee, eyn thumherre doselbst.“ Er lässt es sich nicht nehmen, den niederländischen Meister des Glockengießens, Gerhard van Wou, bei sich zu Hause einzuquartieren.

B.s geistliche Laufbahn ist nicht abgeschlossen, im Oktober 1497 bittet Erzbischof Berthold von Mainz den Papst Alexander VI., den Dr. theol. Johannes zum 19. Weihbischof von Erfurt (in partibus Hassiae et Thuringiae) zu ernennen. B. reist im Dezember d.J. nach Rom, die Einsetzung in Erfurt findet am 17. Januar 1498 statt. Da Erfurt schon früher seinen selbstständigen Bischofssitz verloren hat, erhält B. den Titel eines „episcopus Sidoniensis“ nach dem früheren Bistum Sidon in Phönizien. 1502 ernennt ihn der Erzbischof außerdem noch zum Generalrichter. Im gleichen Jahr ist er Teil der beeindruckenden Prozession, die Raymond Kardinal Pérault, Bischof von Gurk, in Erfurt zur Verkündigung des päpstlichen Jubel-Ablasses empfängt. B. wird beschrieben als der „wybischoff Er Johans Lasfe jn oren inflen (d.i. mit seiner Bischofsmütze) ... vnnd entblosten sich ore inflan vnnd der bißchoff knitte vor den kardinal uff dy kosßen vnnd neygete sich keyn dem kardinal mit eynem silbern grosßen cruce vnnd koste es vnnd stunt widder uff vnnd syne dyner holffen om widder uff sy phert.“

In der Eigenschaft als Weihbischof hat B. im Frühjahr 1507 (wahrscheinlich am 3. April – Karsamstag) dem jungen Augustinermönch Martin Luther und 1508 dessen Freund Spalatin die Priesterweihe erteilt, auch wenn gerade hierüber urkundlich nichts erhalten ist. Nur durch Martin Luther ist ein Detail der Theologie B.s bekannt. Er habe immer wieder gesagt - und Luther widerspricht dem leidenschaftlich -, dass ohne Aristoteles niemand Doktor der Theologie werde.

Zahlreiche Weihen durch B. sind überliefert, so die Weihe der Kapelle Salvatoris im Kartäuserkloster und des Chores der Klosterkirche der Virgines in Kapellendorf oder der Wallfahrtskapelle Klein-Heilig-Kreuz westlich von Fulda. Nach der Weihe eines Altars im Krankenhaus der Brüder vom gemeinsamen Leben (Kugelherren) in Marburg reist er so übereilt ab, dass man vergisst urkundlich festzuhalten, welchen Heiligen er gewidmet ist. Dies wird 1514 von B.s Nachfolger Paul Huthenne nachgeholt.

Das Übermaß der Aufgaben und Ämter, zunehmende Diskrepanzen mit Mainz und ein neu gewählter Rat aus niederen Ständen bewegen B. 1508 dazu, alle Ämter und Würden niederzulegen.

Während vieler Jahre hat er besonders Studenten aus seiner Wittgensteiner Heimat oder der näheren Umgebung gefördert. Der Bekannteste unter ihnen dürfte Eobanus Hessus aus dem Kloster Haina bei Frankenberg sein, Sohn des Wittgensteiners Hans Koch. Er erhält durch Vermittlung B.s das Rektorat an der Severischule und widmet B. 1507 aus Dankbarkeit dafür ein Gedicht, in dem es heißt: „Du hast mich ohne mein Verdienst mit so vielen Wohltaten überhäuft...“

In Erfurt stiftet B. zwei „Vikarien“ – mit Gütern aus seiner Heimatstadt Laasphe ausgestattet –, die gut 100 Jahre lang mit Absolventen aus der Familie oder der Heimat besetzt werden, bis es auch hier Streit gibt. Schließlich war die Familie B.s evangelisch geworden, während die Vikariate katholisch blieben. Er stiftet um 1505 zudem einen schön verzierten Kapellenchor über dem Eingang zum Kirchhof neben der Pfarrkirche St. Michael, der bis heute als Laasphekapelle zu besuchen ist.

Auf dem vorderen Bild an der Laasphekapelle hat sich
Bischof Johannes de Lasphe
kniend neben der Gottesmutter abbilden lassen.

Fenster in der neu restaurierten Laasphekapelle.

Ein Kelch des Bischofs ist erhalten geblieben.

Seit 2009 weist an der Michaeliskirche eine Gedenktafel aus Bad Laasphe auf den großen Sohn der Stadt hin.

Als B. im Oktober 1510 stirbt, hat die Universität den Verlust ihres beliebten mehrfachen Dekans und Rektors, hochangesehenen Weihbischofs, Theologieprofessors, Kanonikus, Generalrichters und Pfarrers an St. Michael zu beklagen und trauert aufrichtig. Sein Grabmal ist bis heute im Dom zu Erfurt zu finden, unweit davon die Straße, die ihm zu Ehren Bonemilchstraße heißt.

Erfurt 2008, Bilder: Weyer

RW

(c) www.bonemilch.de · Letzte Änderung: 21. April 2012